Du hast dein Buch fertig geschrieben und möchtest es mit der Welt teilen? Warte einen Moment! Vor der Veröffentlichung steht ein wichtiger Schritt, der aus einem guten Manuskript ein hervorragendes macht: die eigene Überarbeitung.
Diese umfassende Checkliste hilft dir, dein Buch sorgfältig zu überarbeiten, Fehler zu beseitigen und es auf seine Leser vorzubereiten.
Tipp 1. Überarbeite nicht während des Schreibens
Solange dein Manuskript nicht vollständig ist, verzichte darauf, bereits Geschriebenes zu überarbeiten. Zu frühes Überarbeiten verlängert den Schreibprozess. Weil du noch stark in die Geschichte vertieft bist, übersiehst du außerdem viele Fehler.
Wenn du perfektionistisch bist und nicht auf die Überarbeitung verzichten kannst, beschränke sie auf fertige Abschnitte. Beende beispielsweise heute ein Kapitel und überarbeite es morgen oder übermorgen. Überarbeite jedoch nichts mitten in einem unfertigen Kapitel.
Tipp 2. Lass dein Manuskript eine Weile ruhen
Wie bereits erwähnt, fehlt dir bei zu großer Nähe zum Buch der objektive Blick. Auch wenn du es kaum erwarten kannst, dein Buch zu veröffentlichen, ist eine Pause wichtig. Lass das Manuskript mindestens eine Woche, besser einen Monat oder länger ruhen.
Beschäftige dich inzwischen mit Marketing oder einem Hobby. Du brauchst Abstand, damit du einige Details deiner Geschichte und Figuren nicht mehr ständig im Kopf hast.
Tipp 3. Lies in der Zwischenzeit andere Bücher
Wie gewinnst du einen frischen Blick? Während dein Manuskript ruht, lies Bücher anderer Autoren, auch aus anderen Genres. Versuche, fünf bis zehn Bücher zu lesen, um gedanklich möglichst viel Abstand von deinem eigenen Werk zu gewinnen.
Neue Schreibstile, Figuren und Welten helfen dir, dein Manuskript bei der Rückkehr anders wahrzunehmen. Dadurch wird deine Überarbeitung wirksamer und dein Blick für Details aufmerksamer.
Tipp 4. Lege einen Stil fest
Wähle einen Stilratgeber für die Überarbeitung. Du kannst bekannte Werke nutzen, etwa The Chicago Manual of Style oder The Elements of Style , oder eigene Regeln erstellen. Überlege dir:
- Verwendest du das Oxford-Komma?
- Wie schreibst du Zahlen?
- Wenn Englisch nicht deine Muttersprache ist: Orientierst du dich an amerikanischem oder britischem Englisch?
Je mehr Details du festlegst und Regeln du definierst, desto einheitlicher wird dein Manuskript.
Tipp 5. Erstelle ein Glossar
Ergänzend zu deinen Stilregeln solltest du ein Glossar mit Namen, Bezeichnungen und Begriffen erstellen , die im Buch vorkommen. Dazu gehören:
- Namen und Alter der Figuren
- Beziehungen zwischen den Figuren
- Orte und Entfernungen
- Artefakte und Zaubersprüche
- Und vieles mehr!
Auch wenn du glaubst, alles zu wissen, hilft das Glossar beim Überarbeiten. Details zu Hauptfiguren vergisst du vermutlich nicht, aber den Namen einer selten erwähnten Nebenfigur könntest du verwechseln.
Tipp 6. Lies Rezensionen ähnlicher Bücher
Jenn dePaula teilte auf Instagram einen hilfreichen Tipp. Sie empfiehlt, Bücher für dein Genre und deine Zielgruppe zu suchen und deren Drei-Sterne-Rezensionen zu lesen.
Warum drei Sterne? Diese Rezensionen sind häufig besonders sachlich und enthalten konstruktives Feedback. Leser schlagen beispielsweise stärkere Hauptfiguren, ein anderes Erzähltempo oder weniger überflüssige Beschreibungen vor.
Tipp 7. Teile die Überarbeitung in Etappen auf
Überarbeite nicht alles gleichzeitig. Teile den Prozess in Etappen auf, die jeweils eine bestimmte Aufgabe haben. Beginne mit Logikfehlern und Handlungslücken, stärkeren Figuren und besseren Beschreibungen.
Grammatik und Rechtschreibung kommen zuletzt. Plane ganz am Ende einen zusätzlichen Korrekturdurchgang ein, um Tippfehler und versehentliche Fehler zu finden.
Tipp 8. Hab keine Angst vor dem Streichen
Auch wenn du eine Szene oder Formulierung liebst: Wenn sie die Handlung nicht voranbringt oder das Tempo bremst, solltest du sie streichen. Das kann schwer sein, ist aber wichtig, um dein Buch zu verbessern. Prüfe beim Entscheiden folgende Fragen:
- Wiederholt die Passage bereits bekannte Informationen?
- Verwendet sie übermäßig blumige Sprache oder Klischees?
- Lenkt sie von der Haupthandlung ab?
Wenn du eine Frage mit Ja beantwortest, ist es Zeit zum Kürzen.
Manchmal fällt die Entscheidung schwer. Dann helfen Rückmeldungen von Testlesern oder einem Kritikpartner. Am Ende entscheidest du selbst. Hab keine Angst, konsequent zu streichen!
Tipp 9. Bring die Grundlagen in Ordnung
Damit meinen wir, wiederkehrende und eher technische Probleme zu bereinigen, nicht inhaltliche oder logische. Prüfe zum Beispiel, ob Erzählperspektive und Zeitform durchgehend stimmen. Achte außerdem auf Folgendes:
- Verwende aktive statt passive Formulierungen.
- Nicht so: Der Himmel wurde in leuchtende Orange- und Rosatöne getaucht, als die Sonne hinter dem Horizont unterging.
- Sondern so: Leuchtende Orange- und Rosatöne färbten den Himmel, als die Sonne hinter dem Horizont unterging.
- Achte darauf, dass alle Dialoge korrekt formatiert sind.
- Entferne unklare und subjektive Wörter wie vielleicht, einige, wirklich, einfach, fast und ähnliche.
- Ersetze schwache Wörter durch stärkere.
- Nicht so: Sie musste schnell gehen, um den letzten Bus des Abends zu erreichen.
- Sondern so: Sie musste sprinten, um den letzten Bus des Abends zu erreichen.
- Prüfe, ob Schriften, Schriftgrößen und Formatierungen im ganzen Dokument einheitlich sind.
Tipp 10. Prüfe dein Buch in unterschiedlichen Formaten
Verschiedene Formate lassen ein Manuskript anders wirken und helfen dir, bei jedem Durchgang neue Fehler zu entdecken. Prüfe dein Buch beispielsweise als:
- Dokument auf dem Computer
- Manuskript im gesetzten Layout
- Ausgedrucktes Manuskript
- Audiofassung — lies laut vor oder höre zu, wenn jemand beziehungsweise eine Software das Buch vorliest.
Ein kleiner zusätzlicher Trick: Lies die Sätze in umgekehrter Reihenfolge, vom Ende zum Anfang.
Tipp 11. Nutze hilfreiche Werkzeuge und Software
Heute müssen Autoren sich nicht nur auf ihre eigenen Augen verlassen. Software kann häufige und auffällige Fehler erkennen. Beispiele sind:
Denke jedoch daran: Solche Programme finden nicht alles und schlagen je nach Kontext manchmal Änderungen vor, die nicht passen.
Tipp 12. Akzeptiere Unvollkommenheit
Strebe nach Qualität, aber denke daran, dass du ein Mensch bist. Leser werden dir einen kleinen Fehler nicht übel nehmen, wenn das Buch hervorragend ist. Eine Geschichte mit starken Emotionen und eindrucksvollen Erlebnissen bleibt trotz kleiner Fehler wertvoll.
Du bist schließlich kein Roboter. Selbst Bücher der angesehensten Verlage enthalten Fehler.
Zum Abschluss
Die eigene Überarbeitung kann einschüchternd wirken. Mit diesen zwölf Schritten bist du jedoch auf einem guten Weg zu einem überzeugenden Manuskript.
Hab keine Angst vor konsequenten Änderungen und strebe nicht nach absoluter Perfektion. Konzentriere dich auf eine fesselnde Geschichte und ein angenehmes Leseerlebnis. Deine Leser werden es dir danken.
Welche persönlichen Tricks helfen dir beim Überarbeiten? Teile sie in den Kommentaren.
Das war ein hervorragender Überblick über die Überarbeitung eines Manuskripts! Mir half es außerdem, wichtige Themen und Ereignisse auf verschiedenfarbigen Karteikarten zu notieren. Jede Farbe stand für einen Lebensabschnitt meiner Memoiren: Kindheit, ein Jahr in Spanien, fünf Jahre in Washington, D.C., und den Rest meines Lebens in Deutschland. Die Ereignisse standen im Buch nicht chronologisch. Deshalb war schwer zu erkennen, wie viele Seiten jeden Abschnitt behandelten. Die Farben machten das deutlich und waren ein erfrischendes visuelles Werkzeug. Danach konnte ich übermäßig ausführliche Abschnitte kürzen.
Wir freuen uns, dass es hilfreich war 😊
Danke, dass du diesen tollen Tipp geteilt hast!